Miriam Leonhard, 2026, Hochschule Fresenius Idstein

Abstract:
Der Zugang zu Notrufmöglichkeiten ist für die Mehrheitsgesellschaft selbstverständlich. Gehörlosen Menschen war dieser Zugang lange Zeit nicht möglich. Mit der Einführung der Notruf-App „Nora“ (im Folgenden: Nora-App) im Jahr 2021 sollte explizit für diese Zielgruppe ein bundesweit einheitliches barrierefreies Notrufsystem geschaffen werden. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Perspektive gehörloser Menschen auf bestehende Notrufmöglichkeiten in Deutschland, insbesondere auf die Nora-App, zu untersuchen.
Hierzu wurde eine quantitative, explorativ-deskriptive Onlinebefragung durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Bekanntheit der Nora-App innerhalb der Gehörlosen-Community, jedoch nur eine moderate Nutzungspräferenz im Vergleich zum bestehenden Telekommunikations-assistenzdienst Tess. Während die Nora-App überwiegend positiv bewertet wurde und mit einem leicht verbesserten Sicherheitsgefühl einherging, bestanden weiterhin Vorbehalte hinsichtlich technischer Abhängigkeiten, sowie sprachlicher Barrierefreiheit. Die Gebärdensprache bleibt aus Sicht der Befragten die einzige vollständig barrierefreie Kommunikationsform.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Barrierefreiheit von betroffenen Menschen nicht allein technisch, sondern auch kulturell und subjektiv definiert wird. Wenn die Deutsche Gebärdensprache als einzige barrierefreie Kommunikationsform verstanden wird, stellt sich die Frage, wie staatliche Verantwortung und privatwirtschaftliche Umsetzung bei zentralen Infrastrukturen wie dem Notruf ausgestaltet werden müssten.
Weitere Informationen:
Ihr könnt die Arbeit gerne mit dem Kontaktformular anfordern. Außerdem gibt es von derselben Autorin eine weitere Bachelorarbeit „Das Sicherheitsemp-finden der gehörlosen Bürger im Raum des Polizeipräsidiums Koblenz“ aus 2018.

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